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Seit Juli 2009 wird in Friedelhausen gebaut. Anders als in der Vergangenheit, wo die bestehenden Gebäude für die Nutzung der Hofgemeinschaft renoviert in ihrem alten Bestand erhalten wurden, wird diesmal richtig neu gebaut. Es war ein langer Prozess bis zu dem Zeitpunkt, bis die Bagger kamen. Am Anfang standen die Gedanken an die Zukunft der Hofgemeinschaft. Wie wird es in zehn, zwanzig Jahren sein, wenn die heute jungen Erwachsenen in die Jahre kommen. Wie kommen wir mit dem älter werden in Friedelhausen zurecht. Niemand soll später von hier wegziehen müssen, nur weil er mehr Pflege benötigt, oder weil seine Mobilität nachgelassen hat. Es liegt auf der Hand, dass in den Gebäuden des Hofgutes solche Situationen nur bedingt gelöst werden können. Diesem Gedanken schloss sich ein zweiter an: In den letzten Jahren erleben wir in der Gemeinschaft eine erfreuliche Lebensfreude und einen regelrechten Tatendrang. Es will Neues ausprobiert, auch gewagt werden. Mit fünfundzwanzig, mit dreißig Jahren ist es allerdings nicht ungewöhnlich, dass man das Leben spannend empfindet und der neue Tag einen Aufbruch bedeutet. Da macht es keinen Unterschied, ob ein Hilfebedarf besteht und wie hoch dieser ist. Diese Stimmung wollten wir nicht verpuffen lassen und wollten diese freie Energie zur Unterstützung der Selbständigkeit nutzen. Auch hier ist aber klar, dass dafür besondere bauliche Bedingungen geschaffen werden müssen. Die Verbindung dieser beiden Aspekte mündete, wie man sich leicht vorstellen kann, in die Idee eines neuen Hauses, in dem eine unterstützte selbständigere Lebensform möglich sein soll, in dem aber auch bessere Möglichkeiten für Pflege und barrierefreies Wohnen möglich sein sollen. Dabei sind die Barrierefreiheit und die Pflegeeinrichtungen Aspekte, die eine Investition für die spätere Zukunft bedeuten.
Das neue Haus wird Wohnplätze für 8 Menschen mit Hilfebedarf bieten. Es sind zwei Apartments für jeweils drei Bewohner und ein Apartment für zwei Bewohner vorgesehen. Zu jedem Apartment gehört eine kleine Küche und ein bis zwei Bäder. Damit sind die baulichen Voraussetzungen für selbständigeres Wohnen gegeben. Da die Hilfebedarfe der künftigen Bewohner zum Teil höher sein werden als im klassischen betreuten Wohnen üblich, werden die Hilfen jeder einzelnen Kleingruppe individuell abgestimmt sein. Das bedeutet, dass im Alltag manche Aufgaben für die Bewohner stellvertretend ausgeführt oder nur unter Aufsicht bewältigt werden. Auch dafür sind bauliche und personelle Voraussetzungen geschaffen. So befindet sich im Haus eine Mitarbeiterwohnung und mehrere Praktikantenzimmer. Nach der Konzeption der Hofgemeinschaft wird in der Mitarbeiterwohnung ein Ehepaar wohnen, das die Verantwortung für die ganze Hausgemeinschaft (und so auch für die individuellen Hilfen) tragen wird. In den großzügigen Gemeinschaftsräumen werden die Hausbewohner Gelegenheit haben, das soziale Miteinander zu pflegen. Das alltägliche Mittagessen wird zum Beispiel von allen gemeinsam eingenommen. Im Untergeschoss wird das Haus mehrere Räume für Freizeitbeschäftigungen und für verschiedene Therapieangebote bieten. Diese werden sicherlich nicht nur von den künftigen Hausbewohnern, sondern auch von allen anderen Friedelhäusern genutzt. Dadurch, dass das Haus als Gastgeber der Angebote auftreten wird, wird die gewünschte Integration der "Neuen" unterstützt. Der Bau schreitet erfreulich voran, Tag für Tag und Woche für Woche kann man dies an der Baustelle beobachten. Die Fertigstellung ist für September 2010 geplant. Bei der Ausführung wurden die energetischen und baubiologischen Gesichtspunkte sowie die Gesichtspunkte des Denkmalschutzes beachtet. So wird z.B. das Haus mit Pellets und mit Stückholz beheizt. Die Wärme für das Wasser wird mit Solarkollektoren erzeugt. Wir hoffen, dass mit diesem Bau die Hofgemeinschaft nicht nur neue Angebote für Menschen mit Behinderung schafft, sondern auch, dass sich das neue Gebäude harmonisch in das Gesamtensemble des historischen Hofguts einfügt. Diese Absicht lag von Anfang an der Planung zugrunde.
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